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Kaffeeduft

Kaffeeduft

Noch während ich mich durch das Bett wälze und versuche meine Gedanken zu ordnen, rieche ich den schweren Kaffeeduft. Der Duft wabert von irgendwoher aus dieser mir fremden Wohnung zu mir und meinen wirrend Gedanken. Er muss also da sein und hat sich nicht aus dem Staub gemacht. Wäre ja irgendwie auch komisch gewesen, denn immerhin sind wir in seiner Wohnung gelandet und aus der eigenen Wohnung fliehen, hat noch weniger Stil als aus einer fremden. Nicht, dass ich nicht schon mich aus einigen fremden Wohnungen materialisieren wollte, aber noch nie aus meiner eigenen.

Der Kaffeeduft holt mich zurück. Ich strecke mich und überlege was ich als nächstes machen soll. Soll ich dem Duft nachgehen, aber was ist, wenn er gar nicht von einem Kaffee stammt, der für mich bestimmt ist? Dann würde ich eine sehr peinliche Situation heraufbeschwören. Also lieber liegen bleiben? Würde ich zwar gerne, aber da hat meine Blase etwas dagegen.

Langsam schäle ich mich aus der Decke und lasse – mit ein bisschen Wehmut – die unglaublich bequemen Kissen zurück. Noch während ich wenigstens ein paar meiner Klamotten auf dem Boden suche höre ich ein verräterisches Klappern. Hier wird nicht nur Kaffee gemacht, sondern auch gekocht. Für mich?

So leise wie mir nur irgendwie möglich öffne ich die Tür und gleite durch den entstandenen Spalt. Sofort wird der Duft nach Kaffee stärke und ich rieche nicht nur ihn. Zu dem sehr angenehmen schweren Duft nach frisch gemahlenen Kaffee begibt sich noch eine Note von Toast und gebratenen Eiern. Noch ehe mein Gehirn irgendetwas entscheiden kann, wandern meine Füße schon in die Richtung aus der der Duft kommt.

Da steht er. In Boxershorts und mit dem Rücken zu mir. Ganz vertieft und mit Kopfhören auf dem Kopf steht er da. Sein linkes Bein wippt im Takt, zur mir verborgenen Musik, und er sieht – was ich von seinem Rücken aus sagen kann, sehr zufrieden aus. Gekonnt schwingt er die Pfanne, danach schenkt er den Kaffee ein und stellt ihn auf ein Tablett, welches mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen ist. Das Tablett könnte auch locker in einem 5 Sterne Hotel serviert werden. Eine wahnsinnige Auswahl an Zutaten begrüßt mein morgendlich zerdelltes Gesicht und lässt meinen Magen vergnügt aufknurren.

Ob ihn das Knurren aus der Musik holt, oder ob es etwas anderes ist, das weiß ich nicht. Er dreht sich um und grinst mich lässig an.

„Guten Morgen schöne Frau.“

„Guten Morgen“ (oh wow – meine Kommunikationsfähigkeit am Morgen ist einfach phänomenal.)

„Na Lust auf ein Frühstück? Ich wusste nicht was du genau magst, daher bin ich gerade noch einkaufen gewesen und habe alles gekauft, was man so frühstücken kann.“

„Wow.“ (Ob, es noch geistreicher wird, was heute aus meinem Mund kommt?)

Er schwänkt nochmal das Ei in der Pfanne, stellt sie dann behutsam ab und kommt auf mich zu. Langsam und vorsichtig nähert er sich mir und legt seine Hände auf meine Hüften. Dafür, dass wir gestern sehr intim waren, ist er jetzt wirklich vorsichtig und scheint mit seinen Augen zu fragen, ob ein Guten-Morgen-Kuss denn ok sei. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, lege meine Arme um seinen Hals und ziehe ihn ganz sanft an mich. Was folgt ist keinesfalls ein mega romantischer, ich muss mein Bein, wie eine Hollywood Schauspielerin heben, Kuss, aber er ist verdammt gut.

Lächelnd löst er sich von mir, streicht mir noch über die Wange und wendet sich dann wieder dem Frühstück zu. Ein bisschen hilflos stehe ich in der kleinen Studentenküche, die so unglaublich viel Charm ausstößt und einem einfach nur das Gefühl gibt willkommen zu sein. Ohne sich zu mir umzudrehen erklärt er mir, wo alles in der Küche steht, damit ich den Tisch decken kann.

Gemeinsam machen wir uns ans Werk und treffen die Vorbereitungen für unser erstes gemeinsames Frühstück, das genauso ungeplant ist, wie alles bisher. Während ich den Tisch decke und diese fremde Küche nach Besteck absuche kann ich meinen Gedanken wieder nachhängen. Macht er so etwas öfter? Vielleicht. Was wird das hier? Wird es mehr? Ich kenne ihn doch gar nicht wirklich.

Und auch wenn es vielleicht nicht für immer ist, dann ist es zumindest für den Moment. Und den werde ich genießen.

Veröffentlicht von

Studentin, Gedankenmensch, Schreiberling. Ich liebe es aufzuschreiben, was in meinem Kopf vorgeht. Ich möchte mit meinen Texten zum Nachdenken, Umdenken oder auch einfach zum Lachen anregen.

5 Kommentare

  1. Wow. Danke dass du uns mitnimmst in diesen Moment. Fühle mich gerade wie ein Mäuschen, dass unter einem Küchenschrank sitzt, ein Stück Käse knabbert und alles beobachtet. Hach!

    Lieben Gruß | Barbara

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  2. Wundervoll geschrieben, einfach beeindruckend, wie du mit Worten umgehen kannst (außer am frühen Morgen :))

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  3. Eine tolle Geschichte. Man steht direkt dabei und ich zumindest habe den Kaffee auch gerochen :)

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  4. Pingback: Linkliebe № 13 | LexasLeben

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