Was will ich?

Eigentlich sollte ich jetzt lernen. Lernen fürs Leben – nein ok – eher für mein unglaublich überhaupt nicht geliebtes BWL Studium. Du fragst dich jetzt vielleicht wieso ich es studieren, wenn ich es nicht mag. Naja, ganz einfach, der Grund heißt Eltern – genauer gesagt mein Vater. Er wollte schon immer, dass ich etwas – in seinen Augen – „anständiges“ lerne.

Er selbst war auf der Hauptschule und hat danach eine Lehre als Automechaniker gemacht. Nach vielen Jobwechseln ist er nun für die EDV in einem Krankenhaus zuständig.
Für mich wollte er schon immer etwas „bessers“. Nur das ich das gar nicht wollte beziehungsweise ich eigentlich mich erstmal selber finden müsste um heraus zu finden, was ich wirklich will.
Was ich will und nicht was andere von mir wollen oder erwarten.
In der 10. Klasse wollte ich eigentlich OTA werden. OTA ist eine Operationstechnische Assistentin. Der Ausbildungsplatz war mir schon sicher – darum hatte ich mich heimlich gekümmert – genauso wie um eine Wohnung in einem Wohnheim. Nun ja, leider war für meinen Vater klar, dass nach der 10. Klasse nicht meine schulische Laufbahn mit dem Realschulabschluss endet, sondern an der Fachoberschule weiter geht.
Also habe ich alles wieder abgesagt und er war stinksauer, weil ich mir hinter seinem Rücken eine Ausbildung gesucht hatte.
Ende der 10. Klasse kam ich mit meinem Ex-Freund zusammen und so blieb es auch. Wir gingen gemeinsam auf die Fachoberschule und schlossen diese erfolgreich ab. Für ihn war klar, er will ein Duales Studium bei Audi machen. Gesagt, beworben – Stelle bekommen.
Da für mich klar war, dass ich auf jeden Fall in der gleichen Stadt wohnen will wie er – Ingolstadt – habe ich nach Ausbildungsplätzen dort gesucht. Eine Bewerbung und zwei Wochen später war klar. Ich kann eine Ausbildung als Bankkauffrau bei der Commerzbank beginnen.
Das ich niemals eine Bankkauffrau sein wollte, war mir – irgendwo hinter der verdammt trüben rosaroten Brille – klar, nur leider vollkommen egal – schließlich wollte ich mit meinem Freund zusammen sein und nicht alleine zurück bleiben.
Paradoxes Leben
Acht Monate nach Beginn der Ausbildung kam dann der Schlag ins Gesicht – es folgte die Trennung. Da saß ich also. In einer Stadt, in der ich nicht sein wollte. Hatte eine Ausbildung an der Backe, die mich nicht interessierte und fühlte mich verloren, einsam und verdammt allein.
Es folgte der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung und ging für mich wieder heim zu meinem Vater und seiner Frau. Da für meinen Vater klar war, dass ich jetzt studieren sollte, schaute ich mir unterschiedliche Studiengänge an. So wirklich überzeugen und ansprechen konnte mich keiner, wobei mir eine journalistische Richtung sehr gefallen hätte.
Aber nein, mein Vater wollte / will etwas richtiges also wurde es BWL.
Schließlich ist das ein Allround Studiengang.
Da das Studium erst im Herbst anfing, ich aber im März zurück gezogen bin, musste und wollte ich arbeiten gehen.

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Ich fand einen tollen Job in einer Bar. Ein Job, der mich ausfüllt und begeisterte. Ein Job, der mich so sehr begeisterte, dass ich eigentlich mein Studium verschieben wollte.
Aber das war ein Satz mit X – wie nicht anders zu erwarten, wollte mein Vater von dieser Idee nichts wissen und so begann im Herbst das Studium mit mir im Vorlesungssaal.
Durch eine Verletzung in der rechten Hand, die eine Operation nach sich zog, musste ich mein Studium unterbrechen und sogar die Hochschule wechseln, da man mich sonst exmatrikuliert hätte.
Auf der Suche nach einer anderen Hochschule bin ich dann auf eine Fernhochschule gestoßen. Bei dieser Fernhochschule studiere ich jetzt.

Spaß macht es mir keinen, aber es ist was „richtiges“.

Vielleicht kann ich ja irgendwann in dem Job arbeiten, der mich ausfüllt. Der Job, den ich jetzt schon als Nebentätigkeit mache. Ein Job, der leider in den Augen meines Vaters nichts „richtiges“ ist.

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Ich sollte mich eigentlich gegen ihn durchsetzten, aber ich habe Schuldgefühle. Schuldgefühle, weil er mich wieder aufnehmen musste und Schuldgefühle, weil ich meine Ausbildung abgebrochen und mein Studium unterbrochen habe. Ich wollte nie eine Tochter sein, die auf das Geld / Unterhalt von ihren Eltern angewiesen ist. Jetzt bin ich es und es nervt mich unglaublich. Es nervt und es engt mich ein.

Vielleicht sollte ich alles ändern. Vielleicht sollte ich das machen was ich will.
Vielleicht – irgendwann mal.

Vielleicht sollte ich alles ändern. Vielleicht sollte ich das machen was ich will. Vielleicht - irgendwann mal. Klick um zu Tweeten

6 Kommentare zu „Was will ich?“

  1. Liebe Anna Teresa,

    ich kenne die Situation. Das ganze Leben lang, alles den Eltern zu Liebe gemacht und ich muss trotzdem sagen, dass ich bis auf einige Unstimmigkeiten – tolle Eltern habe. Als es eines Tages in mir innen explodierte, habe ich als Absolventin mein immer länger werdendes Studium geschmissen und bin in ein anderes Land gezogen . Ohne Geld und ohne den Segen meiner Eltern.
    Es gibt nix besseres, wie alleine etwas durchziehen, vor allem wenn keiner an dich glaubt, erst recht. Diese Erfahrung ist nicht einfach aber stärkt unheimlich.
    Das Leben ist viel zu kurz um nicht an sich zu denken und trotzdem Empathie zu bewahren, Respekt und Rücksicht gegenüber unseren Liebsten. Denn sie meinen es nicht schlecht mit uns, aber kennen es nicht anders von ihrer Erziehung her. Trotzdem ist unser Weg nicht deren Wunschkonzert und sie dürfen Manipulation nicht in gut gemeinte Ratschläge verpacken.
    In 100 Jahren wird es uns alle nicht mehr geben, das Leben ist viel zu kurz und ein Geschenk…und unsere innere Freiheit das A und O! Hör immer auf dein Bauchgefühl, das ist dein größter Verbündeter!

    Wünsch dir alles Gute!

    Lg Sanja

  2. Einfach mal etwas verrücktes machen, einfach mal aus der Reihe springen und nicht sich in „Schuldgefühlen“ suhlen, denn letztendlich ist das dein Leben und du hast nur dieses eine Leben.
    Das klingt vielleicht etwas blöd, aber dieser ätzende Druck in unserer Gesellschaft, denn kennt jeder – und wahrscheinlich auch ein Grotßteil der Studierenden, sei es mit den Eltern oder mit Krediten von den Banken, um überhaupt studieren zu können. Ich kenne so viele Menschen die Panik schieben, nicht wissen was sie studieren wollen, nicht wissen was sie später wirklich arbeiten wollen.
    Ich bin selbst im Master, ich studiere etwas was ich mag, wo ich aber auch froh bin, wenn ich endlich das Studiumzeitalter abgeschlossen habe. Ich studiere ein Fach, mit dem ich relativ viele Berufe ausüben kann, nicht sicher, aber nicht engstirnig – was so viele anstreben: Ich studiere xx und werde dann xy. Mach dich davon vielleicht einfach mal frei, was man wirklich will kommt dann von ganz alleine 😉

  3. Ich finde das schon ziemlich traurig zu lesen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen! Sei dein eigener Herr! Du musst nicht deine Eltern glücklich machen! Das Leben ist so triest, wenn man nur das macht, was angeblich richtig ist. Und irgendwann ertragen die meisten dann doch nicht mehr das ungeliebte Studium, brechen dann nach zehn Semestern und mehr ab. So etwas hilft keinen und macht niemanden zufrieden.

    Gegebenfalls wäre es sinnvoll professionelle Hilfe zu suchen. In deinem Fall könnte ich mir gut vorstellen, dass wahrscheinlich schon wenige Stunden reichen, damit du den Mut findest die ganzen „Aber…“ beiseite zu wischen und endlich einmal das zu machen, was DU willst. Gesteh dir zu, dein Glück zu suchen.

    Ich wünsche dir dabei alles Gute!

  4. Eigentlich möchte ich dir nur eines sagen: Wir haben nur dieses eine Leben und es kann, wenn es doof läuft, echt kurz sein. Warum Lebenszeit verschwenden und den Traum des Vaters leben? Als Mutter von zwei Töchtern ist mir klar, dass ich selbst für meine Lebensträume zuständig bin, nicht meine Kinder. Und für das Hlpck deines Vaters bist nicht du verantwortlich, sondern er. Wenn du erfolgreich in einer Bar gearbeitet hast, kannst du das wieder tun. Geld verdienen. Und den Kopf frei bekommen für deinen Wunschweg.
    Ich drücke dir die Daumen!

  5. Meine Eltern haben mir eigentlich immer die Freiheit gelassen meinen Weg zu gehen. Problem war: ich wusste nicht was mein Weg ist und wohin er mich führen würde. Also habe ich doch letztendlich das getan, was das Beste zu sein schien … auch wenn meine Eltern mich nie gedrängt haben, kamen doch hin und wieder einige Kommentare wie „Das ist doch ein zukunftssicherer Beruf“. Also habe ich Informatiker gelernt und bin jetzt seit über 10 Jahren dabei. Aber alles andere als Glücklich. Mittlerweile weiß ich was ich will und verfolge dieses Ziel auch. Aber es ist schwer. Ich brauche Geld für Miete, das Auto und den Unterhalt für meine Kinder… Wenn Du also JETZT, so ziemlich am Anfang Deines beruflichen Werdegangs, die Möglichkeit hast etwas zu verändern, tue es! Mit jedem Jahr und jedem weiteren Schritt wird es schwerer werden etwas zu ändern. Nicht wegen der Umstände, die ich oben aufgezählt habe, sondern weil auch in Deinen Gedanken die Hürde immer größer und letztendlich unüberwindbar (zumindest scheinbar) werden wird.

    Auch wenn ich versuche nicht in den „Klugen-Ratschlag-Modus“ zu verfallen, möchte ich Dir doch eine Sache noch mit auf den Weg geben:
    Euch beiden sollte klar werden, dass Du nicht verantwortlich für die schulische und berufliche Laufbahn Deines Vaters bist. Und auch wenn Du irgendwann einen Master machst und einen Weltkonzern führst, wird es an der Situation (und Deinem Vater) nichts verändern. Wenn ihr das akzeptiert, werden auch Deine Schuldgefühle etwas weniger werden oder sogar ganz verschwinden.

  6. Hey

    Ich hab ein wenig hin und her überlegt, ob ich dir einen Kommentar hinterlasse.
    Ich schwankte beim Lesen zwischen Verständnis und Kopf-Schütteln über eine gewisse Naivität. Nicht falsch verstehen, ich will dich nicht beleidigen oder dergleichen – nur ein paar ehrliche Gedanken und ich weiß sehr gut, wie ätzend das ist, wenn einem andere ständig sagen, was gut und was schlecht für einen ist, wie man sich besser verhalten sollte etc. wenn dieser jemand dich nicht so gut kennt, wie du dich selbst kennst. Das habe ich in gewissen Themen mit meiner Familie auch schon durch. Und ich kenne das auch, wenn man etwas anfängt und dann aus Gründen wieder abbrechen muss. Nur, dass du mich nicht falsch verstehst.

    Klar, schwierig von außen zu beurteilen und das mit den Schuldgefühlen kann ich auch nachvollziehen – was das ganze natürlich super schwer macht – aber ich denke nicht, dass es gut ist, darauf zu hoffen „irgendwann mal“ machen zu können, was man will. Welchen Wert hat es denn, wenn du dich durch ein Studium quälst, welches dir nicht einmal gefällt? Welchen Wert hat es, wenn du es immer nur anderen recht machst und du selbst viel zu kurz kommt?
    Das denkst du dir selbst teilweise auch.

    Auf der einen Seite finde ich es unsagbar blöd, dich davon abhängig zu machen, wo dein (Ex-)Freund wohnt, lebt, studiert, arbeitet, was auch immer und davon, was dein Vater will. Dadurch wird sich bei ihm nichts ändern und natürlich wollen Eltern, immer etwas besseres für ihre Kinder. Aber am wichtigsten ist doch, dass du glücklich bist! Ich weiß nicht, wie alt du bist und welchen Charakter du hast und in der Schulzeit kann ich es irgendwo vielleicht auch noch verstehen, dass man macht, was einem gesagt wird – aber um Himmels Willen! Wieso so abhängig von anderen machen? Was bringt es dir denn, wenn dein Vater das abnickt, was du machst und du beim bloßen Gedanken daran das Kotzen kriegen könntest? Sorry, aber ich finde das schade und ziemlich blöd und das regt mich auf, weil jeder Mensch es verdient hat, das zu tun, was er möchte.

    Wie gesagt, ich kann es andererseits auch irgendwie nachvollziehen… dass man seine Eltern auch nicht enttäuschen will und alles richtig machen möchte, so dass die Eltern stolz auf einen sind.
    Schwierig, schwierig.

    Ich an deiner Stelle würde glaube ich mal die psychologische Beratung an deiner Uni in Anspruch nehmen. Du sagst ja selbst, dass du nicht glücklich damit bist, wie es momentan ist und vielleicht kann man dir dort helfen, dass du für dich und dein „Seelenheil“ wieder auf einen grünen Zweig kommst und die Vorstellungen deines Vaters und dein eigenes Glück unter einen Hut bringen kannst. Denn mal ganz ehrlich: so wie es jetzt ist, soll es so noch die nächsten Jahre sein? Soll es das? Mit der Hoffnung, dass iiiiiiirgendwann mal alles besser ist?

    Wie gesagt, ehrliche Gedanken, nichts böse oder niedermachend gemeint.

    Grüße
    Lara

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