Und da stehen wir wieder

Da stehen wir wieder. Die gleiche Bar, nur sechs Jahre später. Die gleichen Cocktails, an denen wir schlürfen. Sogar der Barkeeper ist der gleiche. Es hat sich nichts verändert und doch so viel. Wir, die ja eigentlich nur Freunde sind und doch ist da irgendwie mehr. Keiner von uns würde sich das jemals eingestehen und doch wissen wir es und sind uns diesen Momenten sehr bewusst.
Diese Anspannung, wenn wir uns sehen und dieses Kribbeln, wenn er bei der Begrüßung seine Hand auf meinen Rücken legt.

 

Vor sechs Jahren standen wir hier, haben die ersten Sätze ausgetauscht und bemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Das es einfach stimmt. Die Chemie passt und auch schon damals hat diese Anziehungskraft auf uns beide gewirkt. Schon damals haben wir diese Blicke ausgetauscht nur um dann schnell wieder wegschauen zu können, in der Hoffnung, dass es der jeweils andere nicht bemerkt hat. Schon damals gab es diese kleinen Berührungen, die die nichts und doch so viel sagen. Ich damals seit kurzem in einer Beziehung, er frisch Single. Für beide war also klar, was das zwischen uns nur werden darf. Eine gute Freundschaft. Eine Freundschaft, in der man quatschen kann und den anderen einfach sehr gut kennt und sich schätzt.
Jetzt sechs Jahre später, hat sich so einiges verändert.
Ich bin immer noch in einer Beziehung und auch er hat seit mehreren Jahren eine Freundin. Mit ihr verstehe ich mich auch super. Sie ist super sympathisch und eine herzensgute Seele. Auch er wirkt gemeinsam mit ihr sehr glücklich.
Und doch ist sie immer noch da, diese verdammte Anziehung zwischen uns. Diese Momente, wenn wir nebeneinander stehen, uns nicht berühren, uns einfach nur anschauen und beide merken, dass da eigentlich mehr ist.

Es gab sie schon – diese Momente, bei denen wir alles und jeden um uns herum vergessen haben. Diese Momente, in denen die Gespräche leiser und unsere Blicke intensiver geworden sind. Wenn wir zum Beispiel gemeinsam, in der schmalen Gasse, auf Einlass in die Disko gewartet haben. Ich, leicht an der Wand geleht, seine Hände links und rechts neben mir an der Wand. Diese Momenten in denen wir die gleiche Luft geatmet haben und in denen uns nur ein kalter Schock ablenken hat können – uns wieder in die Realität zurückgeholt hat und wir beide erstmal tief durchatmen mussten.

Und jetzt stehen wir hier. Es ist keine unangenehme Situation, aber sie ist geladen. Voller Spannung, Wissen, Unwissen, Vertrautheit und der Lust nach neuem. Während wir reden nippe ich an meinem Cocktail. Natürlich einem Touch Down – wie immer eben. Und während das Gefühl der Vertrautheit immer tiefer in meine Knochen kriecht, weiß ich, dass hier wird nie mehr werden und das ist gut so.

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