Dem Leben entwachsen

Es fühlt sich zu eng an. Überall kneift es. An den Schultern liegt es zu eng an und an den Hüften spannt es. Das Leben eng dich ein und du kannst dich nicht mehr richtig bewegen. Wie so eine Motte im Kokon wartest du darauf, dass der Mantel sich lüftet und du wieder atmen kannst. Tief einatmen und die Luft des Lebens und der Freiheit tanzend auf deiner Haut wahrnehmen – das ist das was du spüren möchtest.


Es ist wie ein schwerer Stein auf der Brust. Der Stein nimmt dir das Atmen und zwingt dich dazu flach und unkontrolliert zu schnaufen.

Es ist wie ein schwerer Stein auf der Brust. Der Stein nimmt dir das Atmen und zwingt dich dazu flach und unkontrolliert zu schnaufen. Klick um zu Tweeten Viel zu schnell und alles rast.
Das Leben rast an dir vorbei, wie ein ICE durch eine kleine Ortschaft. Es bläst dir den Wind ins Gesicht und du musst die Augen zusammenkneifen.

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Das Leben ist voll in Fahrt, doch du bist bloß ein unbeteiligter Passagier. Schaust zu und kannst nicht eingreifen. Alles passiert so schnell und doch in Zeitlupe. Manchmal möchtest du einfach nur laut NEIN schreien, doch da liegt ja der Stein auf der Brust und du bekommst nicht mal ein hauchendes „Lass das“ heraus.
Dann gibt es diese Tage.
An diesen Tagen bremst das Leben abrupt ab und dir wird klar, wie kurzweilig es doch ist. Viel zu kurz um alle Träume zu verwirklichen, um alle Hügel zu besteigen und um alle Täler zu durchqueren.
Wenn das Leben also so kurz ist, wieso bist du dann nur Zuschauer und nicht aktiver Beteiligter?

Wenn das Leben also so kurz ist, wieso bist du dann nur Zuschauer und nicht aktiver Beteiligter? Klick um zu Tweeten Manchmal hast du das Gefühl, vielleicht auch nur den Wunsch, das du das Leben führst, das du willst. Das Leben, das dir so angegossen passt wie das perfekte Kleid. Es scheint deinen Körper zu umschmeicheln, die richtigen Stellen hervorzuheben und die kleinen Fehler – die eh nur du siehst – zu kaschieren.
Doch dann gibt es diesen Moment, der dir zeigt, dass das gar nicht so perfekt ist. Es wirkt perfekt von außen – gar keine Frage.

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Aber in Wirklichkeit kratzt es und sitzt zu eng. Es drückt und engt dich ein und richtig bewegen kannst du dich schon lange nicht mehr. Du schaust dich im Spiegel an, betrachtest dein Leben einmal als Außenstehender.
Da merkst du wie gefaked dein Lächeln ist – aufgesetzt und unnatürlich. Das fällt natürlich keinem auf, denn keiner kennt dich wirklich. Keinen hast du bisher hinter deine Fassade schauen lassen.
Die Fassade, die aus dicken Steinmauern besteht und die du zu Fall bringen musst um dein wahres Ich zu zeigen.

Manchmal, meist am Abend sitze ich hier, trinke ein Glas Wein und träume vor mich her. Träume, die eigentlich nie in Erfüllung gehen können! – Oder?
Träume, die viel zu unreal und absurd sind! – Oder?

Manchmal, meist am Abend sitze ich hier, trinke ein Glas Wein und träume vor mich her. Träume, die eigentlich nie in Erfüllung gehen können! - Oder? Klick um zu Tweeten

Dann denke ich nach, denke an die vielen verpassten Chance. An die Chance, die ich habe verstreichen lassen nur weil irgendjemand gesagt hat, das sei zu gefährlich, zu verrückt oder es würde nicht zu mir passen.
Dann denke ich darüber nach, WO ich jetzt bin und vor allem WER ich jetzt bin.

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Bin ich noch ich oder setze ich mich aus Puzzleteilchen anderer zusammen?
Führe ich mein Leben oder das einer Person, die ich für andere bin?

Bin ich noch ich oder setze ich mich aus Puzzleteilchen anderer zusammen? Führe ich mein Leben oder das einer Person, die ich für andere bin? Klick um zu Tweeten

Eigentlich möchte ich so viel und doch sitze ich hier und schreibe darüber was ich möchte. Ich möchte auswandern, verrückte Dinge tun und lachen, weil ich merke wie die Anspannung von mir abfällt.
Ich möchte einen Job haben der mich erfüllt und ich möchte nicht das Leben eines anderen leben.
Ich möchte ich sein, so richtig real und authentisch und wenn das wem nicht passt – mir egal!
Ich möchte nein sagen können und laut werden können, wenn mir etwas nicht gefällt. Ich möchte nicht mehr alles abnicken, nur weil ich Angst habe, jemand könnte mich nicht (mehr) mögen.
Ich möchte nicht mehr nur für andere leben, ich möchte für mich leben.
Aus diesem Kreis der Anforderungen anderer auszubrechen, das möchte ich.
Ich möchte springen, nicht von einer hohen Klippe oder so, denn ich habe unglaubliche Höhenangst, nein ich möchte in die Unwissenheit springen. Mal nicht alles planen und in das Leben abtauchen.

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Und dann gibt es da diesen Menschen. Der Mensch, der nicht sagt, denk darüber nach. Wenn du jetzt springst, dann weißt du nicht wie du landest und wo du landest.
Da ist dieser Mensch, der dir einen Fallschirm umschnallt und sagt SPRING – ich bin bei dir.

Und dann springst du, in das Leben, das ohne Boden ist und du fühlst die Luft, die auf deinem Körper tanzt, die Freiheit, die dich zum Lächeln bringt.

Das Leben ist jetzt!

Das Leben ist jetzt! Klick um zu Tweeten

4 Kommentare zu „Dem Leben entwachsen“

  1. Oh danke für diesen Post. So gefühlvoll und so viel wahres. Ich glaube jder der das liest, sieht sich darin.
    Hab ein schönes We. LG Sandra von onlinetagebuchvonsandra.blogspot.com

  2. Ich kann mich nicht mit allem in diesem Text identifizieren, aber grad das mit dem „nur Zuschauer“ sein, kann ich gerade absolut nachfühlen. Ich war die letzten Monate über ziemlich krank und daher trifft das auf mich nun absolut zu.

  3. „Aus diesem Kreis der Anforderungen anderer auszubrechen“.. wow super! Genau meine Gedanken, ich selbst versuch immer wieder den Erwartungen anderer gerecht zu werde, unabhänging von dem was ich will.. vielleicht weil ich selber nicht genau weiß, was ich will
    Super Text, du fasst so viele meiner Gedanken in Worte

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