Bargeschichten – Teil 1

Als Barkeeperin und Bedienung ist man fast unsichtbar – zumindest solang die Leute mit Getränken versorgt sind. Man bekommt Gespräche mit, die nicht unbedingt für die eigenen Ohren bestimmt waren. Man erlebt Höhen und Tiefen mit den Gästen und manchmal kommt es sogar vor, dass man zum helfenden Außenstehenden wird, der einfach so in die Situation reingerutscht ist.


Ich habe fast fünf Jahre als Bedienung und Barkeeperin in einer Cocktailbar gearbeitet und habe dort so einige Beziehung entstehen und beenden sehen. Habe gesehen, wie sich heimliche Affären treffen oder Geschäftspartner einen Deal aushandeln. Ich habe Leute des öffentlichen Lebens getroffen, die einfach nur auf einen entspannten Drink vorbei gekommen sind und dort – in einer kleinen Bar – so viel nahbaren waren als man vielleicht manchmal denkt.
Ich habe Tränen gesehen, habe Heiratsanträge mitbekommen, habe gesehen wie aus einer hitzigen Diskussion eine handfeste Auseinandersetzung wurde.
In fünf Jahren an denen ich mindestens dreimal die Woche gearbeitet habe, da bekommt man so einige Geschichten mit und einige möchte ich in dieser neuen Kategorie mit Euch teilen.

Bargeschichten – Von verliebten Blicken und gemeinsamen Pizzas

Im Frühling da scheint es so als wollen die Gefühle nur so raus. Da geht es um die großen Gefühle und die noch viel größeren Szenen.
Da kommt der Typ, der wirklich den ganzen Winter andere Mädels angeschleppt hat, tatsächlich mit derselben Frau öfter in die Bar. Da werden heimlich oder auch weniger heimlich Telefonnummer ausgetauscht und die heißen Blicke fliegen einem nur so um die Ohren.
Im Frühling da scheint es so als wollen die Gefühle nur so raus. Da geht es um die großen… Klick um zu Tweeten

Woran man als Barkeeperin merkt, dass der Frühling Einzug erhalten hat?

Ganz einfach, wenn der „Sex on the Beach“ und der „Orgasmus“ mit einem zuckersüßen Lächeln oder einem unverschämten Grinsen bestellt werden. Entweder gilt das Lächeln und das Grinsen, der Person neben an oder (wenn die Person, die bestellt laut genug redet) einer Person an einem anderen Tisch oder eben mir.
Doch was macht man dann als Barkeeperin in so einer Situation, schreiend wegrennen ist leider keine Alternative, denn erstens wäre es unendlich peinlich und zweitens NOPE – wegrennen bei peinlichen Anmachen ist (zumindest als Barkeeperin) nie ein Lösung, denn das bestellte Getränk muss ja auch wieder an den Mann oder die Frau gebracht werden.
Also – was tun?
Ich habe mir einfach freche, zynische und auch unverschämte Anworten parat gelegt, denn der Kunde ist zwar König, aber ein Arsch darf er deshalb trotzdem nicht sein.
Kam also wieder mal eine dümmliche Sex on the Beach Bestellung am besten noch mit dem Nebensatz „aber nicht der Cocktail“ dann war meine Antwort gerne darauf „Och ne, der Sand kratzt immer so und auch generell steh ich eher auf Gin Tonic“ oder auch andere situativ passende Antworten.

Als Barkeeperin erlebt man aber neben dümmlichen Anmachversuchen auch wunderbare Liebesgeschichten.
Da passieren süße Flirtereien direkt vor deinen Augen und manchmal da scheint man Zuschauer einer schnulzigen und ziemlich voraussehbaren Liebeskomödie zu sein.

Da passieren süße Flirtereien direkt vor deinen Augen und manchmal da scheint man Zuschauer… Klick um zu Tweeten Da ist sie in ihn verliebt und er hat nur Augen für eine Andere und dann ist er in sie verliebt und sie will ihn aber nicht mehr.
Oder beide sind ineinander verliebt trauen es sich aber nicht zu sagen, sondern erzählen es lieber mir. Da wurde ich dann schon das ein oder andere mal zur Person, die  Amor den verflixten Pfeil abgenommen hat und die Beiden in die richtige Richtung geschubst oder auch gestoßen hat.

So unscheinbar man als Barkeeperin ist, so tolle Freundschaften können sich aus diesem Job erschließen. Da gibt es die Gäste, die einen unterhalten und an schlechten Tagen aufbauen. Die Gäste, die sich während der kurzen Pause zu einem stellen und mit denen man einfach quatschen kann. Und dann gibt es die Gäste, die irgendwann viel mehr als Gäste sind. Die Personen werden mit denen man befreundet ist. Personen, die vor der Öffnungszeit kommen und mit denen man sich eine Pizza teilt.

Und manchmal, wenn der Frühling dann vorüber geht, die Frühlingsgefühle plötzlich abflauen, die Röcke wieder länger werden und schon die ersten Weihnachtsmänner in den Regalen stehen. Da kommt es auch vor, dass sich Dramen in einer Bar abspielen. Dramen, die kein Gossip Girl Autor besser hätte schreiben können.
Da fliegen die Gläser und kreischen die Frauen. Da werden Ohrfeigen verpasst und deutlich über den eigenen Kosmos getrunken und auch in solchen Situationen bin ich als Barkeeperin da und höre mir die Geschichten an.
Aber darüber und über Faschingsfeiern, die aus dem Ruder laufen, nächstes Mal mehr.

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